Next stop

Next stop

Next Stop - Esther Amrein, Tino Fröhli, Sara Rohner, Milena Seiler, Siebenhaar/Weiss, Paul Takacs

 

Es ist ein Anliegen der Galerie im Gluri Suter Huus, in regelmässigen Abständen einem breiteren Publikum das regionale Schaffen zu präsentieren. Das Werk einer Künstlerin oder eines Künstlers erfährt in der Regel innerhalb seiner Grundausrichtung Veränderungen sowohl auf inhaltlicher als auch formaler Ebene. Daher ist es von besonderem Interesse, das Werk eines Künstlers über längere Zeit zu beobachten, ja zu begleiten, und somit eine vertiefte Kenntnis zu gewinnen. In diesem Sinne versteht sich der Titel «NEXT STOP» als Momentaufnahme, welche zeigt, dass die präsentierten Künstlerinnen und Künstler sich an unterschiedlichen Orten ihrer gestalterischen Erkundungen befinden. Während beispielsweise Tino Fröhli in seinen produktiven Anfängen steckt, zeigen die Werke der anderen Künstlerinnen und Künstler Veränderungen innerhalb eines kohärent und konzis ausgerichteten Gesamtwerks: Das künstlerische Schaffen und Erkunden als Lebensentwurf, der alles durchdringt und uns als Betrachterin und Betrachter einen neuen Blick auf eine immer komplexer werdende Welt erlaubt. 

 

Es zeichnen sich in der Ausstellung drei Themenfelder ab: 1. Der Mensch im Spannungsfeld zwischen Aussen- und Innenwelten (Sara Rohner, Esther Amrein, Milena Seiler), 2. der Mensch in einer unfassbaren Welt mit ihren nicht steuerbaren Kräften und Mächten (Paul Takács, Sara Rohner), 3. der Mensch und seine Beziehung zur Natur (Tino Fröhli, Siebenhaar/Weiss).

 

Esther Amrein

Esther Amrein (geb. 1968 in Wohlen, lebt und arbeitet in Baden) setzt sich seit über zehn Jahren mit Bedeutung und Rolle der Linie und ihren Erscheinungsformen auseinander. In ihren jüngsten Arbeiten verwendet die Künstlerin die Linie für imaginär-topografische Erkundigungen. Mit Hilfe einer selber hergestellten Zeichenmaschine (Movograph) hielt die Künstlerin während sechs Monaten ihre Bewegungen im Alltag und im Atelier fest. Die seismografischen Aufzeichnungen finden in imaginär-linearen Topografien ihre künstlerische Umsetzung. Es sind scheinbar schwebende Landschaften, bei denen die klassische Perspektive und die üblichen Sichtweisen auf die Landschaft gedreht sind. Der Ort ist ein imaginärer Ort, vielleicht ein Nicht-Ort – eine Utopie –, die auf andere Welten verweist. 

Die Arbeit «Homework» bezieht sich auf die Rauminstallation «Video Home System», die 2011 in Aarau gezeigt wurde (Goldenes Kalb): Die einzelnen Linien sind nicht mit Bleistift gezeichnet, sondern mit Videoband auf Papier gestickt und heben sich demnach reliefartig von der Bildgrundlage ab. Die Arbeit verweist einerseits auf den vielfältigen Einsatz der Linie bei Esther Amrein, andererseits erinnert die Arbeit an die ehemalige «Behausung» der Bänder – der Installation von 2011 –, welche nun dank zeitlich und handwerklich aufwendiger Heimarbeit eine neue Bleibe gefunden haben. 

 

Tino Fröhli

Als leidenschaftlicher Gärtner, der gerne angelt und im Wald ist, beschäftigt sich Tino Fröhli (geb. 1995 in Muri, lebt in Bremgarten) «künstlerisch und menschlich» mit der Natur, wobei der junge Künstler seine Grundhaltung wie folgt beschreibt: «Kultur (tun) und Selbst-Kultur (sein).» Tino Fröhli wird demnach in seinen Werken der Frage nachgehen, welche geheimen Kräfte und Prozesse der dynamischen Naturordnung zugrunde liegen. Damit verbunden ist die Frage nach der Verantwortung des Menschseins in Bezug auf unser Verhältnis zur Natur: Die Polarität in Natur und Mensch wie auch die verschiedenen Wesensaspekte von Mensch, Tier, Pflanze und Stein finden Platz im Werk des Künstlers.

 

Sara Rohner

Zentrales Thema im Werk von Sara Rohner (geb. 1964 in Biel, lebt und arbeitet in Baden und La Neuveville) ist das Wechselspiel zwischen Innenwelt und Aussenwelt: «Mit der Zeitung dringt am Morgen Aussenraum in meinen Innenraum und prägt meinen Tagesablauf mit. So wurde die Zeitung zu meinem Hauptarbeitsmaterial.» Auch die jüngsten Bilder der Künstlerin befragen das uns alle betreffende Wechselspiel zwischen unserer «kleinen, emotionalen Innenwelt und dem grossen Gefüge der Aussenwelt.» In den Bildern werden Räume geöffnet und erweitert, «manchmal um das Bild zu befreien, manchmal, um seine kleine Welt zu bedrohen und manchmal, um ihm eine neue, träumerisch-surreale Dimension zu verleihen.»

 

Milena Seiler

Milena Seiler (geb. 1971 in Berlin, lebt und arbeitet in Ennetbaden und Wettingen) wählt in ihren Arbeiten offene Themen, die Unschärfen, Zwischenräume und «anderes Variables» in den Blick nehmen. Dabei kommt ihr die Technik des Aquarells entgegen: Farbige Flächen fügen und schieben sich an- und ineinander und erzeugen Imaginationsflächen, die bei vertiefter Betrachtung ebenso real werden,  wie die uns umgebende sichtbare Welt. Dinge wie Fenster, Brillen oder Bilder im Bild gewähren Ausblicke – nach aussen, aber auch nach innen.

 

Siebenhaar/Weiss

Kathrin Siebenhaar (geb. 1971 in Kaisten AG, lebt und arbeitet in Windisch) und Jacqueline Weiss (geb. 1966 in Brugg, lebt und arbeitet in Windisch) beschäftigen sich vor allem mit der camera obscura, mit Fotografie im ursprünglichsten Sinne. In dieser Arbeit haben die Künstlerinnen Hotelzimmer und Museumsräume verdunkelt und daraus Fotoapparate gemacht. Auf diese Weise entstanden Bilder, die vertraut und gleichzeizig fremd wirken.  Im Werk der Künstlerinnen spielt die Natur eine grosse Rolle: Wolken, Berge, Wasser und Wald verweisen auf die Elemente, die unsere Wahrnehmung der Welt prägen. Die neue Bildserie «entre les deux» (2016), die collagenartig einen Landschaftsausschnitt mit einem Vorhang verbindet, erlaubt einen Blick aus dem Fenster, den es so nicht gibt. Die Arbeit «ein weg aus weg» (2016) von Jacqueline Weiss (Fotografie und Video) wiederum untersucht neue Sichtweisen auf das Motiv des Gletschers, der schon bei den Alpenmalern des 18. Jahrhunderts bedeutend war.  

 

Paul Takács

Die Arbeiten von Paul Takács (geb. 1974 in Yonkers/New York, lebt und arbeitet in Nussbaumen) bewegen sich zwischen Erzählerischem und formalen Erkundungen des Bildes und der Malerei. Seine Arbeiten «Zeichen zum Nullpunkt» erzählen vom Weg zu einer neuen Situation. Ob es Anfangs- oder Endpunkt ist, bleibt jeweils offen. Es geht um die Frage, welchen sichtbaren und unsichtbaren Kräften und Mächten wir ausgesetzt sind und in welchem Verhältnis somit Anfangs- und Endpunkt zueinander stehen. Die Fragestellungen verbinden sich mit der Frage nach der Rolle von Malerei, von Bild, Abbild und Ikonik.

 

Begleitprogramm zur Ausstellung

 

Vernissage

13. März 2016, 11 Uhr

 

Führung

Sonntag, 20. März 2016, mit Lucia Angela Cavegn, Kunsthistorikerin, Winterthur 


Künstlergespräch

Sonntag, 3. April 2016, mit Lucia Angela Cavegn, Kunsthistorikerin, Winterthur, und Rudolf Velhagen, Leiter Gluri Suter Huus

 

Ausstellungsdauer

13. März 2016 – 24. April 2016